Wolkenkind

Text

Mit einem Fuß schon über dem Abgrund.

 

Kennt ihr das Gefühl, wenn man glaubt, man stürzt jeden Moment nach unten in die unendliche Leere?

Letzte Zeit ist das bei mir ein Zustand, von dem ich nicht mehr los komme. Doch nicht nur mir ergeht es so - wir sind zu zweit. Beide wissen wir so langsam nicht mehr weiter. Wir sind mit unserem Latein am Ende… und das aus Gründen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Immer wieder schaffen wir es, uns gegenseitig wieder zurück auf den festen Boden zu ziehen, doch diese “Rettungen” halten von Tag zu Tag immer kürzer an. Irgendjemand oder irgendetwas drängt uns immer wieder auf den Abgrund zu, wo wir manchmal dann schon einen Fuß über dem Nichts hängen haben und immer wieder drohen, das Gleichgewicht zu verlieren.

Wir sind so gereizt, genervt und überfordert, dass es vermehrt zu Streitereien und Missverständnissen zwischen uns kommt.

Jeder von uns stellt Forderungen an den Anderen, die schon in “normalem” Zustand schwer umzusetzen wären - und jetzt zur Unmöglichkeit mutieren. Selbst können wir uns nicht mehr helfen und um gegenseitig etwas füreinander tun zu können, fehlen uns die professionellen Möglichkeiten.

Jeden Tag strömt ein Meer von Enttäuschungen auf uns ein, von denen uns jede immer ein kleines Stückchen näher an den Abgrund schiebt.

Was sollen wir nur tun?

Was können wir noch tun?

Ist es schlauer, gegen die Dinge anzukämpfen, die uns das Leben gerade so schwer machen und zu bleiben, wo wir gerade sind?

Oder macht es mehr Sinn, wenn wir versuchen, einen Weg über den Abgrund zu finden und auf der anderen Seite anderen Problemen gegenüber gestellt zu sein - die für uns persönlich vielleicht leichter zu bewältigen sind?

Und wenn ich gerade sonst nichts weiß, so bin ich mir in einem ganz sicher:

Ich möchte nicht, dass wir bald zu Einzelkämpfern werden. Auch, wenn es gerade viele Schwierigkeiten gibt, die wir nicht hätten, wenn

man sich nicht immer wieder an den anderen hängen würde… es gibt trotzdem Momente, die - zumindest ich - für nichts in der Welt hergeben möchte.

Und ich bin mir trotz allem ziemlich sicher, dass diese Sichtweise nicht nur auf mich zutrifft.

 Das existierende Wir leidet zwar gerade ziemlich heftig unter den ganzen Problemen, der Verzweiflung, der Hoffnungslosigkeit und dem Ärger… aber ich stelle mir gerne vor, wie viel dieses Wir an Widerstandsfähigkeit gewinnen könnte, wenn das alles einmal überstanden oder zumindest erträglich geworden ist.

View comments
Posted on Sunday, February 20 2011.

Wolkenkind facebook gefällt mir button
Previous Next